„Demenz…eine Lawine kommt auf uns zu!“

Ein Interview mit Manuela Ahmann über das Berufsbild der Gerontopsychiatrischen Fachkraft und den Weiterbildungslehrgang der BAK – Die Bildungsakademie, den Frau Ahmann als Dozentin leitet.

Welche Zusatzqualifikationen erwirbt beispielsweise eine Altenpflegerin in Ihrem Kurs zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft an der BAK – Die Bildungsakademie?

Die Teilnehmer erwerben aktuelles theoretisches Fachwissen im Bereich der Gerontopsychiatrie. Sie lernen vielfältige Interventionsmöglichkeiten im Umgang mit gerontopsychiatrischen Bewohnern kennen.

Sie werden befähigt professionell und zielorientiert zu handeln und das Wissen im beruflichen Einsatzbereich umzusetzen. Vermittelt werden Fachwissen im psychiatrisch-medizinischen Bereich, pflegerisches Wissen im Umgang mit psychisch veränderten alten Menschen sowie die Einführung in aktuelle spezielle Betreuungskonzepte wie z.B. Validation, Zehn-Minuten-Aktivierung, Basale Stimulation oder Biographiearbeit.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema “Pflegeplanung und Dokumentation in der Gerontopsychiatrie“ unter Berücksichtigung der Richtlinien des MDK. Vermittelt werden weiterhin psychologisches und sozialwissenschaftliches Fachwissen sowie rechtliche Grundlagen. Außerdem wird die Wahrnehmung, Selbstwahrnehmung und Persönlichkeitsentwicklung geschult. Die Teilnehmer lernen mit Krisensituationen umzugehen und sich selbst zu reflektieren. Am Ende des Kurses sitzen oft ganz andere Persönlichkeiten vor einem, als das zu Beginn der Weiterbildung der Fall war. Die fachliche Kompetenz wirkt sich auch auf die Persönlichkeit aus, gerade weil wir auch besonderen Wert auf das Ich-Management legen, das im pflegerischen Alltag eine wichtige Rolle spielt.

Wie ist der Lehrgang zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft bei der BAK – Die Bildungsakademie organisiert?

Der Lehrgang ist in zwei Semester unterteilt und dauert einschließlich der Ferien ca. 1 Jahr. Er wird als berufsbegleitende Teilzeitfortbildung mit einem Umfang von ca. 520 Theoriestunden durchgeführt, aufgeteilt in Präsenz- und Selbststudienphasen. Der Unterricht findet wöchentlich in der Regel dienstags und donnerstags von 17 bis 21 Uhr statt. Wichtig für die Kurse ist die ausführliche Teilnahme der Kursbesucher: In Diskussionen und einem ausgiebigen Austausch über die Lerninhalte, aktuelle Themen und Fallbeispiele soll das Wissen vertieft und verinnerlicht werden.

Des Weitern lehnen sich die Inhalte an den Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen (WeiVpsy) an und nehmen umfangreiche Teile dieser Vorschrift mit auf. Teile des Präsenzunterrichts können kursübergreifend angeboten werden.

Mit welchen Krankheitsbildern haben es die Gerontopsychiatrischen Fachkräfte zu tun? Und wie bestimmen diese den Alltag der Fachkraft?

Ein Großteil der zu betreuenden Bewohner leidet unter Krankheitsbildern aus dem dementiellen Formenkreis, aber auch depressive Erkrankungen spielen zunehmend eine große Rolle. Vielfältig werden Bewohner betreut die Mehrfacherkrankungen aufweisen. Viele Mitarbeiter sind aus verschiedenen Gründen mit der Pflege und Betreuung überlastet. Teilweise schlagen einige Einrichtungen der Altenhilfe schon Alarm. Fehlendes Fachpersonal und mangelnde Fachkenntnisse sowie die hohen Ansprüche der Prüfinstanzen sind nur einige Gründe dafür.

Wie ist die Situation in den deutschen Pflegeheimen?

In vielen Pflegeheim und Wohnheimen sowie in der ambulanten Versorgung sind heute eine relativ hohe Anzahl “gesund erscheinender” jedoch stark geistig verwirrter alter Menschen zu versorgen. Nach Schätzungen sind in der stationären Altenpflege etwa 60-80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner an einer Demenz erkrankt. Das Alter ist der Hauptrisikofaktor für die Demenzerkrankungen. In Deutschland sind zurzeit etwa 1,4 Millionen Menschen betroffen. Zwei Drittel der Demenzkranken leiden an der Alzheimer-Krankheit. Im Jahr 2040 wird mit bis zu 4 Millionen Kranken gerechnet. Das heißt, eine Lawine kommt auf uns zu! Die Alzheimer-Forschung hat in den letzten Jahren einen großen Wissenszuwachs gebracht. Dennoch ist aus wissenschaftlicher Sicht unklar, ob und wann „das Alzheimer-Medikament“, das die Krankheit heilt, zur Verfügung stehen wird. Im Moment muss immer noch der Schwerpunkt auf die Pflege und eine angemessenen Betreuung gelegt werden, um das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung des Bewohners trotz Demenz zu erhalten. Nur der Einsatz von speziell geschultem Personal kann dieser Entwicklung gerecht werden.

Wie ist die gerontopsychiatrische Betreuung in den Seniorenheimen geregelt?

Seit den 2009 eingeführten Qualitätsprüfungsrichtlinien/Transparenzvereinbarung des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkasse e.V.) sind die Anforderungen an den Umgang, die Pflege und die Betreuung dementiell Erkrankter klar definiert und überprüfbar geworden. Unter anderem werden in der Prüfung des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) nach dem Besitz spezieller Fachkenntnisse durch Fort- und/oder Weiterbildungen der Mitarbeiter im Bereich der Betreuung von gerontopsychiatrisch beeinträchtigten Bewohnern gefragt. Dementsprechende Schulungsmaßnahmen sind vorzulegen und nachzuweisen.

Menschen mit Demenzerkrankungen benötigen ein speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Pflege- und Betreuungskonzept, in dem auch ein erhöhter Bedarf an Kommunikation, psychiatrischer Pflege und sozialer Betreuung Berücksichtigung findet. Der MDK führt in den Senioreneinrichtungen einmal jährlich unangekündigte Prüfungen durch. Die Gerontopsychiatrische Fachbetreuung fließt in die Noten mit ein, die der MDK am Ende der Prüfung vergibt. Nur gut geschulte und motivierte Mitarbeiter können diesen hohen Ansprüchen gerecht werden. Die Fortbildung, die ich bei der BAK – Die Bildungsakademie anbiete, soll die Teilnehmer und somit auch die Senioreneinrichtungen auf diese Anforderungen vorbereiten.

Manuela Ahmann ist Diplom-Medizinpädagogin und examinierte Krankenschwester sowie Qualitätsberaterin/Interne Auditorin. Sie gibt Aus-, Fort-, und Weiterbildungskurse sowie Inhouseschulungen im Bereich Medizin und Pflege. Weitere Informationen über Manuela Ahmann erhalten Sie unter www.manuela-ahmann.de.

Das Interview führte Harald Gerhäußer.

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