Ein Interview mit Stephan Eull über seine Rolle als Multiplikator der Kampagne „Redufix“. Stephan Eull leitet eine Senioreneinrichtung der AWO in Herten und ist für die BAK – Die Bildungsakademie als Dozent tätig.
Welche Rolle haben Sie bei der Kampagne Redufix?
Ich habe mich als Multiplikator für das Kompetenzteam West ausbilden lassen, da mich die Thematik schon seit langem interessiert und persönlich berührt. Man konnte sich für die Kampagne bewerben, die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde. Hauptziel der Kampagne ist es, Redufix in seinem Wirkungsbereich, bei mir Dortmund, Bochum, Unna, etc. in den Einrichtungen und der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Worum genau geht es bei Redufix?
Im Kern geht es um die Frage, wie man freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege reduzieren oder idealerweise vermeiden kann. Fixierungen, also Bauchgurte, Bettgitter etc., stellen einen großen Eingriff in die Freiheitsrechte des Bewohners dar. Diese freiheitsentziehenden Maßnahmen gilt es mit Bedacht einzusetzen und die Kampagne dient dem Ziel, alle Pflege- und Leitungskräfte in Betreuungseinrichtungen und Krankenhäusern für die Problematik zu sensibilisieren.
Wie lassen sich Fixierungen im pflegerischen Alltag reduzieren?
Durch den gezielten Einsatz von Hilfsmitteln lassen sich freiheitsentziehende Maßnahmen reduzieren oder auch vermeiden. Eine ebenfalls effektive Maßnahme ist die Durchführung von Fallbesprechungen. Dort werden sehr strukturiert Antworten auf sich stellende Probleme gesucht und Lösungsansätze erarbeitet. Zum Beispiel: Warum muss der Bewohner fixiert werden? Was sind die Ursachen für seine Unruhe? Sind es Schmerzen? Wo liegen seine Bedürfnisse?
Kann eine Einrichtung sich vor dem Hintergrund der angespannten Personalsituation die Reduktion leisten?
Die angespannte Personalsituation kann keine Entschuldigung für den Einsatz von freiheitsentziehenden Maßnahmen sein. Pflegende wollen grundsätzlich auch nicht fixieren müssen. Daher ist das Interesse groß und die Reaktionen auf Redufix durchweg sehr positiv. Zudem motivieren die Erfolge bei den Versuchen auf Fixierungen zu verzichten. Es ist erwiesen, dass ohne Fixierung auch Probleme wie Druckgeschwüre, Kontrakturen und die Gefahr von Infektionen wie Lungenentzündungen geringer werden, die durch die „erzwungene“ Immobilität meist zwangsläufig entstehen. Wenn die Einrichtung bereit ist, Hilfsmittel einzusetzen und ein Konzept zum Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen erarbeitet und umsetzt, dann ist der Pflegealltag mit einer sehr geringen Anzahl an freiheitsentziehenden Maßnahmen auch möglich.
Wie stehen die Krankenkassen zu der Kampagne?
Die Krankenkassen sehen die Hilfsmittel als nicht verschreibungsfähig an. Die Einrichtung muss die Kosten dafür selbst tragen.
Das Interview führte Harald Gerhäußer. Weitere Informationen zu Redufix gibt es auf der Homepage von Stephan Eull www.stephaneull.de.
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